Wie der eine oder andere mittlerweile mitbekommen hat, bin ich seit geraumer Zeit Hausbesitzer. Davor überlegte ich noch was für ein Heizsystem ich mir anschaffe. Damals hatte das Haus noch keine Zentrale Beheizung sonder lediglich einen Kachelofen. Nun, nach den Umbauarbeiten, möchte ich hier auch mal öfter zum Thema Haus ein wenig meine Erfahrungen verteilen.
Zunächst stand für mich die Entscheidung im Raum, wie möchte ich meine Hütte beheizen. Dass dabei Holz eine zentrale Rolle ein war von vorne herein klar für mich. Es gibt generell zwei Möglichkeiten wie man normale Häuser mit Holz beheizen kann. Entweder man kauft sich einen Holzvergaserofen für Stückholz oder man kauft sich einen Ofen für Holzpellets. Als Mittelweg gibt es noch die Möglichkeit sich einen Kombiofen zu kaufen. Der kann Pellets und Scheitholz verbrennen. Wenn man durch's Internet streift kann man viele Meinungen lesen. Allerdings hilft das nur begrenzt. Oft werden ich den Foren schärfste Grabenkämpfe zwischen den Verfechtern verschiedenster Heizsysteme ausgetragen. OS-Flamewars zwischen Windows und Linux-Anhängern sind dagegen fast lächerlich.
Was eher hilft, wenn man sich keinen professionellen Berater leisten möchte, ist dass man sich ein paar gute Bücher besorgt, den eigenen Bedarf näher erforscht und sich kritisch mit dem Thema auseinandersetzt. Keinesfalls sollte man auch auf die Ratschläge von Heizungsbauern hören. Ich habe da wirklich die ulkigsten Dinge erlebt. Ein Heizungsbauer schlenderte ohne einen Zettel durchs Haus und erstellte mir ein Angebot, bei dem weder die Heizkörperzahl stimmte, noch irgendeiner meiner Wünsche berücksichtigt wurde. Auf die Ratschläge solch unprofessionell arbeitender Leute kann man getrost verzichten, da ist man mit einem Buch besser bedient.
Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Es waren mehrere Anläufe notwendig und die ganze Sache zog sich über Monate. Heraus kam dabei folgende Anlage. Ein Pellets-Scheitholz-Kombi-Ofen, ein Förderschneckenraumaustrag, 900L Kombipuffer, daran eine 20m² Solarthermieanlage und eine Mischung aus normalen Heizkörpern und Fussbodenheizungen. Ich werde euch hier erläutern wie ich zu dieser Anlage gekommen bin.
Zuerst zum Ofen, der Ofen ist ein Kombinationsgerät das Scheitholz und Pellets verbrennen kann. Der Ofen verbrennt normales Holz, aber nicht wie ein Holzvergaser, sondern ganz normal im Oberbrandbetrieb. Das bedeutet, dass er Stückholz also nicht mit einem besten Wirkungsgrad verfeuern kann. Mich stört das nicht, da Stückholz in großen Mengen verfügbar ist, öfter mal irgendwo kostenlos anfällt oder für geringes Entgelt zu bekommen ist. Dennoch wollte ich den Komfort einer Pelletsheizung, bei der man nicht jeden Tag evt. mehrmals in den Keller muss um nachzuheizen. Es ist natürlich auch klar, dass so ein Kombigerät nicht ganz billig ist. Auch hört man immer wieder, dass Kombi nicht für Kombination, sondern für Kompromiss steht. Für mich ist das aber okay.
Um die Holzpellets aus einem Speicher (Bunker) in den Ofen zu bekommen, benötigt man, falls man keine Lust auf Eimer und Schaufel hat, einen Raumaustrag. Ich habe mich für ein Förderschneckensystem entschieden. Bei der Förderschnecke handelt es sich um ein Modell wie es auch in der Landwirtschaft eingesetzt wird um Futter aus den Silos in die Fütterungsanlagen zu transportieren. Dieses System war mir bekannt, bezahlbar und simpel, darum habe ich es angeschafft. Zum Thema Pelletsbunker und Förderschnecke werde ich vielleicht demnächst einen eigenen Beitrag schreiben. Insbesondere der Aufbau in Eigenarbeit ist interessant.
Damit man einen Scheitholzfofen, sowie eine Solarthermieanlage sinnvoll nutzen kann, braucht man natürlich einen Warmwasserpuffer. Er speichert die Wärme zwischen und gibt sie bei Bedarf wieder ab. Ich habe mich auch hier für ein Kombinationsmodell entschieden. In dem 900L Puffer wird die Wärme des Ofens sowie der Solarthermieanlage eingespeichert und über einen Heizungskreislauf entnommen. Das nötige Warmwasser wird ebenfalls über den gleichen Puffer erzeugt. Dazu befindet sich im Pufferspeicher ein Edelstahlrohrwärmetauscher, in welchem das durchfließende Kaltwasser Wärme aufnimmt und hinten heiß rauskommt. Auch hier muss klar sein, dass es sich um einen Kompromiss handelt. Ich finde an dieser Lösung attraktiv, dass ich für die Warmwassererzeugung keinen zweiten Puffer brauche und sie ohne technischen Schnickschnack (Plattenwärmetauscher etc.) auskommt, was sich natürlich auch im Preis niederschlägt. Egal ob Solar, Heizung oder Warmwasser alles landet in einem Puffer bzw. wird von dort versorgt.
Die Solarthermieanlage, war ein Wunsch von mir. Mir war von Anfang an klar, dass ich die Solarwärme auch für die Heizung nutzen wollte. Außerdem wollte ich eine möglichst große Kollektorfläche und diese sollte natürlich auch gut zur Sonne ausgerichtet sein. Anzumerken ist, dass Solarthermieanlagen nichts sind, die man einfach mal so noch dazunehmen sollte, weil der Heizungsbauer meint das wäre toll. Man sollte sich schon etwas damit beschäftigen. Auch dafür gibt es gute Bücher. Die Solarthermieflächen wurden auf meinen Wunsch hin auf ca. 45 ° aufgeständert, da mein Dach sehr flach ist und ich insbesondere in den Übergangszeiten Frühjahr und Herbst auch solare Erträge ernten will.
Im Haus war kein Heizung eingebaut, also auch keine Heizkörper oder ähnliches. Ich wollte für die Küche und Bad eine Fussbodenheizung, da beide Räume gefliest wurden. Ursprünglich sollte im Wohnzimmer neben den Heizkörpern auch noch ein kleiner Schwedenofen stehen. Nach zähem Ringen und einem kurzen Abstecher zum Holzofenhändler war mir allerdings klar, dass eine Fussbodenheizung auch im Wohnzimmer sinnvoll ist, zumindest war sie nicht teurer als ein exklusiver Holzofen. Heute weiß ich auch dass die Entscheidung sehr gut war. An schönen Tagen heizt die Solarthermieanlage die Hütte selbst im Herbst noch problemlos, da die Fussbodenheizung sich mit sehr niedrigen Temperaturen zufrieden gibt. In Bad, Wohnzimmer und Küche sind übrigens neben der Fussbodenheizung auch normale Heizkörper für den schnellen Wärmebedarf installiert, da die Fussbodenheizungen träge sind.
Der Puffer ist „gefühlt“ etwas unterdimensioniert, insbesondere im Hochsommer war er regelmäßig komplett voll (85 °C von oben bis unten) und ich musste Nachts Überschüsse im Keller verheizen. Vielleicht rüste ich in ein paar Jahren mal einen zweiten Speicher nach, Puffervolumen ist IMHO nur durch mehr Puffervolumen zu ersetzen. Was sich am Puffer auch bemerkbar macht ist, dass er für reinen Scheitholzbetrieb auch mit Vorsicht zu genießen ist. Solange der Ofen den Puffer mittels Pellets auf Temperatur hält ist alles in Ordnung. Nur wenn man Abends nicht mehr anheizt, weil man mit Stückholz befeuert statt mit Pellets, dann kann es schon mal sein, dass man morgens kalt duscht, weil die Heizung über Nacht die Wärme aus dem Puffer befördert hat. Dies ist aber kein Mangel am System, sondern ein User-Error, der sich relativ schnell einpendelt, da kalt duschen nicht nur den Kreislauf anregt, sondern auch sehr prägend ist.
Weiterhin ist am „Design“ meiner Verrohung zu Bemängeln, dass sie keine getrennten Kreisläufe für Heizkörper und Fussbodenheizung besitzt. Dies ist für mich kein gravierender Mangel, aber man muss die Heizukurve so wählen, dass sie für die Heizkörper warm genug und die Fußbodenheizung nicht zu warm ist. Hätte ich das früher gewusst, hätte ich mir zwei Kreisläufe legen lassen.
Auch die Solarthermieanlage bereitete mir etwas Probleme. Insbesondere in kalten Winternächten zirkulierte warme Solarflüssigkeit aus dem Puffer in den Kollektor und heizt die Sterne, trotz zwei Schwerkraftbremsen. Abhilfe schaffte hier ein thermischer Stellantrieb. Wenn die Stromversorgung der Solarpumpe anspringt, wird der Stellantrieb aufgeheizt und öffnet nach ca. 3 Minuten die Leitung, schaltet der Strom der Pumpe ab, kühlt der Stellantrieb ab und verschließt die Leitung wieder.
Ich ganz zufrieden mit der gewählten Lösung. Es zeigt sich, dass die reiflich überlegten Entscheidungen in der Praxis funktionieren. Ich empfehle jedem sich vor der Anschaffung intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Ein paar gute Webseiten und Buchlinks folgen zum Schluss. Ich habe auch bewusst im ganzen Eintrag keine Namen von Firmen erwähnt, wer näheres wissen will, der kann mit gerne per E-Mail kontaktieren. Wer es ertragen kann mich zwei Stunden am Stück reden zu hören, der kann auch gerne mal auf eine Tasse Tee vorbeigucken.
PS: Natürlich fehlt für den echten Geek da noch so einiges. Insbesondere im Bereich der Steuerung einer Heizungsanlage wie dieser gibt da so einige Felder die man dort gerne unter seiner Fuchtel hätte. Für den Anfang hab ich mir eine Temperatur-Sensorkette gebaut, die auf den Puffer aufgeklebt ist und mittels Digitemp unter Linux ausgelesen werden kann.
Der Nerd in mir feilt bereits am rechts-unten Modell mit einem Mikrocontroller, LC-Display, Tasten, RS232-Schnittstelle, Datenbank, Webinterface, bells and whistles.