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Grill- und Pizzaofen selbst gemauert

Grill und Pizzaofen in einem

Ein gemauerter Grill im Garten, das war schon lange mein Traum. Nach einiger Zeit gesellte sich der Wunsch nach einem Pizzaofen hinzu. Unzählige Bauanleitungen aus dem Internet wurden studiert. Nach reiflicher Überlegung begann ich 2011 mit der Umsetzung meines Traumes, das hier ist die Dokumentation dazu. Der Nachbau erfolgt wie immer auf eigene Gefahr.

Konzept

Die ersten Überlegungen sahen eine getrennte Konstruktion vor. Dabei sollte der Pizzaofen und der Grill als eigenständige Objekte nebeneinander gemauert werden. Da diese Konstruktion sehr aufwändig und platzintensiv ist, entschloss ich mich dazu, zunächst nur einen Grill neben die neue Pergola zu mauern. Während der Entstehung des Grill kam mir der Gedanke, ob man die beiden Dinge nicht kombinieren könnte. Es sollte doch möglich sein, einen Grill zu bauen, der gleichzeitig als Pizzaofen funktioniert. Das Grundkonzept eines Grilles ist, dass man einen Rost hat und darunter liegt glühende Grillkohle. Ein Pizzaofen ist ein mit Schamott ausgekleideter Raum, der mittels eines Feuers aufgeheizt wird und in dem nach dem Abbrand Pizzas oder anderes Gebäck mit der Hitze aus den Steinen gebacken werden. Das klingt zunächst recht gegensätzlich. Meine ersten Pläne sahen aber schon vor, den Grill so zu mauern, dass er oben eine Kuppel hatte. Was dann noch fehlte war eigentlich nur eine Auskleidung aus Schamott, ein Rauchrohr und eine große Tür um den „Grill“ verschließen zu können, schon hat man einen Pizzaofen.

Konzept

Material

AnzahlBezeichung und BeschreibungBezugsquelle
95KlinkerBaustoffhändler
12KalksteinBaustoffhändler
8Estrichbeton, Sackware a 30kgBaustoffhändler
3Zement Mauer- und Putzmörtel, Sackware a 30kgBaustoffhändler
1Zement 25kg Baustoffhändler
1Fliesenkleber 5kgBaumarkt
1Natursteinkleber 5kgBaumarkt
1Spaltplatten 1 PackungBaumarkt
1Fliesen, beige, 1 PackungBaumarkt
1Fugenmasse jasmin 1 kgBaumarkt
2Fliesenleisten, weiß je 1 MeterBaumarkt
2Putzleisten je 2,50mBaumarkt
4NatursteinmattenBaumarkt
1Quarzsand, ca. 15 kgBaumarkt
2EstrichgitterBaustoffhändler
1Schamottezement 4kgHolzbackofenonlineshop
1Schamottemörtel 10kgHolzbackofenonlineshop
64Schamotte NormalformatSchamottshop.de
2Schamotteplatten 2cm dickBaumarkt
1Isoliermatte InsulfraxHolzbackofenonlineshop
2OfendichtschnurSchamottshop.de
1Regenhaube für Kamin (Edelstahl)eBay
1Rauchrohr, Muffe und Segmentbogen 110mm (Edelstahl)Holzbackofenonlineshop
1Türe mit Scharniere und BlecheeBay
1Zubehör (Aschebesen)Holzbackofenonlineshop
1Zubehör (Pizzaschaufel)Schamottshop.de
1Zubehör (Backofenthermometer)Schamottshop.de
1Zubehör (Edelstahlwanne und Edelstahlgrillgitter - Gastronorm)eBay
1Zubehör (Kunststoffgewebe-Regenhaube)Baumarkt
Gesamtkosten ca. 900 EUR

Umsetzung

Vorab, ich bin kein Mauerer oder Ofenbauer. Das was ich hier baue, mache ich nach intensiven Recherchen im Internet und im Familien und Freundeskreis. Ich bin nur meinem Gewissen verpflichtet. ;)

Unterbau

Für das „Fundament“ habe ich einen Schacht mit den Maße 110x80cm ausgehoben, welcher durch Betonrandplatten begrenzt ist. Punktfundamente oder Ähnliches habe ich mir gespart, wenn der Ofen umfällt baue ich ihn neu und größer auf. :D Den Schacht habe ich anschließend mit Betonestrich verfüllt und ein paar Estrichgitter eingelegt.

Fundament

Nachdem die Grundplatte eine Woche lang abbinden durfte, wagte ich mich an den weiteren Aufbau. Dazu habe ich die Kalksplitsteine auf einem Streifen aus Bitumenpappe hochgemauert. Auf der Vorderseite wurde ein kleiner Bogen aus halbierten Klinkern integriert. Hier hätte ruhig noch ein Klinker mehr eingemauert werden können, damit der Bogen in den Wänden „stecken“ würde, nun hinterher ist man immer schlauer. hoffen wir mal, dass es trotzdem hält.

Unterbau

Nach dem Anbringen von Putzleisten an den Ecken, wurde der Unterbau komplett verputzt. Ich habe diesen Arbeitsschritt erst nach dem Gießen der Arbeitsplatte gemacht, würde ihn aber bei einem weiteren Bau an dieser Stelle vorziehen, um besser an den Innenraum heranzukommen.

 Putz

Arbeitsplatte

Mit Hilfe einer paar alter Bretter und einiger Schrauben wurde eine Schalung für die Arbeitsplatte konstruiert. Die Platte wird so gegossen, dass der Unterbau ca. 3cm in der Platte steckt und dadurch zusätzlich stabilisiert wird. Auch diese Platte hatte ca. eine Woche Zeit zum Aushärten und dann wurde ausgeschalt. Kleiner Belastungstest (70kg hüpfen darauf herum) und siehe, sie hält.

Arbeitsplatte

Die Ecken habe ich anschließend mit einem großen Winkelschleifer abgerundet um das Design gefälliger zu machen.

Aufbau

Der Aufbau der Außenhülle besteht aus Vollklinkern. Um ein Gefühl zu bekommen, wie die Klinker ausgehen und wie ich sie schneiden muss, habe ich sie zu Testzwecken aufgeschlichtet.

Klinker aufgeschlichtet

Anschließend wurden sechs Reihen Klinker vermauert und von innen mit Zementmörtel verputzt. Die Wandmuffe habe ich in die vierte und fünfte Reihe eingesetzt.

Außenmauern

Es empfiehlt sich, die Klinker möglichst früh von Mörtelresten zu befreien. Ich habe zwei Stunden nach dem Mauern mit einem Schwammbrett die überflüssigen Mörtelreste abgewaschen.

Zur Verschönerung habe ich mit Natursteinkleber Mosaike auf die Kanten geklebt. Der Bereich, welcher später als Ablage dienen soll, wurde mit Fliesen beklebt. Die Fliesenkanten bestehen aus einem Kuststoffprofil, welches ich mit einem Brenner erhitzt und zurecht gebogen habe.

Mosaikmatten

Fliesen

Zur Verschönerung habe ich aus einer weiteren Mosaikmatte ein kleines Motiv mit Natursteinkleber an den Ofen angebracht.

Jetzt ging es an den Innenausbau. Als Isolationsschicht zwischen den Schamottesteinen und der Betonplatte habe ich mich für eine Schicht Quarzsand entschieden. Diese Isolationsschicht ist notwendig, damit der Ofen lange seine Temperatur hält und damit der Beton keine hohen Temperaturen ausgesetzt ist.

Isolierung Boden

Der erste Versuch die Schamotte einzumauern misslang. Der Schamottezement band nicht ab und ich konnte die Steine wieder herausnehmen. Das hat sich aber im Nachgang als nicht so schlecht erwiesen, da ich nun Gelegenheit hatte das Design im Bodenbereich der Schamotte nochmals zu überarbeiten. Hinter den Schamottesteinen sieht man die Isolationsmatte. Die Dämmung ist nicht besonders dick, aber ich habe wenig Platz. Daher dient sie hauptsächlich dazu, dass die Klinker nicht heiß werden.

Schamotte

Beim zweiten Anlauf habe ich die Bodenplatte der Schamottesteine auf eine höhere Quarzsandschicht (4cm) gelegt und außerdem nicht mit den Wänden vermauert. In den Fugen zwischen Boden und Wänden ist nur Quarzsand. Die Steine am Boden wurden miteinander vermauert. Allerdings habe ich darauf geachtet, dass kein Schamottemörtel auf der Backfläche ist und dass die Steine sehr plan liegen, damit man später keine Probleme hat, wenn man mit dem Schieber die Pizza herausholen möchte. Nach Vorne habe ich eine Aluwinkelleiste eingebaut, damit der Quarzsand da bleibt wo er hingehört.

Aluleiste

Wände und Bodenplatte

Nun ging es ans Gewölbe. Die Schalung war schnell hergestellt aus ein paar dicken Bohlen. Damit man die Schalung später wieder einfach entfernen kann, wird diese auf Keile gestellt. Die Keile lassen sich später leicht herausziehen und danach die Schalung herausnehmen.

Gewölbeschalung

Keile

Die Schamotte für das Gewölbe wurden aus den Normalformatsteinen mit einem großen Winkelschleifer und einer Diamantscheibe geschnitten. Die Steine wurden vorher gewässert damit die Nachbarschaft nicht erstickt. :D Da man die Schnittflächen mit dem Winkelschleifer nicht besonders glatt hinbekommt, habe ich die Steine auf einer Waschbetonplatte per Hand abgerichtet. Die Winkel der Steine im Gewölbe sollten möglichst gut passen.

Abrichten

Hier die Schamotte mal aufgeschlichtet. Diese sind noch nicht abgerichtet und haben große Spalten. Weiterhin habe ich die Steine später im Verband vermauert, nicht wie auf dem Bild zu sehen nebeneinander.

Gewölbe

Danach wurden alle Steine zügig vermauert. Den mittleren Stein habe ich so geschnitten, dass er einen Tick zu streng sitzt und ihn mit Mörtel eingeklopft. Auf das neue Gewölbe habe ich noch eine Schicht Schmottemörtel aufgebracht und glatt gezogen.

Einpassen

Gewölbe

Nach zwei Tagen habe ich die Schalung entfernt.

Gewölbe

Boden

Da mir die Isoliermatte im oberen Bereich ausging, habe ich den Rest mit Glaswolle gedämmt. Ein Versuch mit dem Brenner zeigte, dass die Glaswolle wohl kein Bindemittel enthält, aber auch wesentlich empfindlicher als die Isoliermatte ist und schon bei der Temperatur des Brenners schmilzt. Nun, so warm wird es hoffentlich über meinem Backraum nicht. ;)

Damit mir die Klinkerkuppel nicht die Isolierung plattdrückt, habe ich ein paar flache Eisen als Verstärkung eingesetzt. Später trägt sich die Klinkerkuppel (hoffentlich) selbst. Grundsätzlich wäre es auch möglich gewesen, die äußere Kuppel zuerst zu mauern, aber das Einsetzen der Schmotte stell ich mir dann als ziemliche Fummelarbeit vor.

Armierung

Oben drauf habe ich dann die Kuppel gemauert. Dazu gibt es nicht viel zu erklären. Am leichtesten gelingt das Mauern der Kuppel, indem man ein Mörtelbett aufzieht, die Steine hineinstellt, ausrichtet und kurz anziehen lässt. Danach werden die Fugen mit Mörtel gefüllt. Nach einer Stunde habe ich die Mörtelreste mit einem Schwamm abgewaschen.

Kuppel

Vorsatzplatte und Türe

Die Türe habe ich ohne Zarge auf eBay gekauft. Die 3mm Metallplatte hatte ich noch übrig. Daraus entstand nun die Vorsatzplatte mit eingehängter Backofentüre. Zuerst habe ich die Metallplatte grob von Rost und Schmutz befreit, dann die Maße des Ausschnitts und der Platte angezeichnet.

Angezeichnet

Türe aufgelegt

Vorsichtig habe ich mich an den Ausschnitt herangetastet. Nach 1,5h war es geschafft, die Metallplatte wurde passend zugeschnitten und hat eine Aussparung erhalten.

Ausschnitt

Türe eingepasst

Dann kam der Tag der Hochzeit. ;) Die Türe wurde mit der Frontplatte über Scharniere verbunden. Die Türe ist natürlich weiterhin herausnehmbar. Seitlich gab es noch ein paar Haltebleche und innen zwei Winkeleisen zur Versteifung.

Frontplatte

In den Ofen wurden vier Löcher gebohrt in welche Bolzen kamen. An diesen wird die Frontplatte mit Flügelmuttern befestigt. In die Türe wurden als Zuluftquelle drei Löcher gebohrt. Das entsprechende Abdeckblech besteht aus Aluminium.

Von innen wurde auf einer Isoliermatte Schamottesteine an der Türe und der Frontplatte befestigt. Dazu wurden die Schamotte entsprechend zugeschnitten und eingepasst.

Befestigt wurden die Schamotte mit passenden Schloßschrauben und Rundkopfmuttern aus Edelstahl.

Kamin

Boden

Auf die Bodenplatte habe ich Spaltplatten verlegt und verfugt. Sie passen farblich sehr gut zum Klinkeraufbau.

Spaltplatten

Spaltplatten

Anheizen

Wie es sich für einen richtigen selbst gemauerten Ofen gehört, wird natürlich angeheizt, bevor alles fertig ist. ;) Dabei sollte man entsprechend vorsichtig vorgehen. Ich habe mit Grablichtern begonnen. Die geben nicht viel Wärme her, aber brennen lange und halten den Ofen etwas wärmer als die Umgebung. Damit trocknet er sehr langsam aus. Nach ein paar Tagen ging ich dazu über, Grillkohle zu verfeuern, sie glüht lange nach und ist schon deutlich heißer als Kerzenlichter. Zum Schluss folgen ein paar Feuerchen mit Holz.

Anheizen

Zum raucharmen Anzünden verwende ich das Anfeuermodul. Zünde das Feuer also von oben an. Das ist zwar etwas langsamer aber erspart eine Menge Rauch.

Betriebsmodi

Grillmodus

Für den Grillmodus habe ich acht Edelstahlstifte, die in Löcher in der Seitenwand eingesetzt werden. Darauf kommt der Rost. Darunter steht eine Edelstahlwanne, damit beim Grillen kein Fett etc. auf die Schamotte tropft.

Grillbetrieb

Grillbetrieb

Pizzamodus

Für den Pizzamodus habe ich eine 40x30x4cm Schamotteplatte. Diese wird auf drei kleinen Schamottesteinen in den Ofen gestellt. Da außen noch etwas Platz ist, kann ich beim Pizzabacken ständig ein kleines Feuer weiterheizen.

Pizzastein

Pizzastein im Ofen

Backmodus

Für den Backbetrieb verwende ich einen leeren Ofen. Dieser wird mit Holz beladen und angezündet. FIXME

Extras

Kleine Extras die nicht fehlen dürfen, sind z. B. ein Wandflaschenöffner.

Fotos

 

 
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